Grundlagen
Lernen im Wald – was Kinder dabei stark macht
Bei den Forchheimer Waldstrolchen verbringen die Kinder ihren Kindergartentag draußen. Sie sind bei jedem Wetter im Wald bei Serlbach, auf Wiesen und Feldern unterwegs. Eine beheizbare Hütte und ein Raum in Forchheim schützen sie, wenn das Wetter zu gefährlich wird. Die Gruppe besteht aus bis zu 25 Kindern zwischen zweidreiviertel und sechs Jahren, die täglich von drei bis vier Pädagogen betreut wird.
Die Bildungsziele entsprechen denen eines regulären Kindergartens, nur der Weg dorthin ist anders: der Wald und die Natur selbst ist das Lernmaterial. Alle Sinne sind beteiligt, wenn die Kinder Erde und Kräuter riechen, raue Rinde und nasses Moos fühlen oder dem Rauschen der Bäume und der Stille lauschen. Solche Eindrücke prägen sich ein und fördern die Entwicklung des Gehirns.
Freies Spiel ist wichtig. Es gibt kaum fertiges Spielzeug. Ein Stock wird zum Werkzeug, ein Ast zum Boot, ein Zapfen zum Schlüssel. Dafür brauchen die Kinder Fantasie – und Sprache. Denn sie müssen erklären, was ihr Stück Holz gerade sein soll. So lernen sie nebenbei, sich gut auszudrücken.
Bewegung spielt eine zentrale Rolle. Der Weg geht bergauf und bergab, über Wurzeln und Steine. Die Kinder klettern, springen, balancieren und rennen. Das trainiert die Muskeln und die Geschicklichkeit. Fachleute sagen: Wer sich viel bewegt, lernt auch leichter sprechen, denken und rechnen.
Auch das Miteinander wird geübt: Die Großen helfen den Kleinen, alle lernen zu streiten und sich wieder zu vertragen. Im Morgenkreis darf jedes Kind erzählen und mit abstimmen, wohin der Weg auf den alltäglichen Spaziergang gehen soll. So erfahren die Kinder Mitbestimmung und lernen, eine Niederlage auszuhalten. Beim Sammeln und Sortieren von Steinen entsteht nebenbei erste Mathematik, beim Beobachten derselben Bäume ein Gefühl für die Jahreszeiten.
Die Pädagogen / Pädagoginnen sehen sich als BegleiterInnen. Sie schauen erst zu und helfen dann, wenn Hilfe wirklich gebraucht wird. Beim Klettern zum Beispiel heben sie kein Kind hoch. Stattdessen fragen sie: "Traust du dich weiter?" So lernt jedes Kind, sich selbst einzuschätzen. Und es ist stolz, wenn es etwas allein geschafft hat.
Respekt und Achtung vor der Natur gehört dazu: Vogelnester werden nur aus der Ferne betrachtet, junge Pflanzen bleiben stehen, Müll wird wieder mitgenommen. Die Kinder erleben den Wald als etwas Wertvolles. Und was man liebt, schützt man später auch.
Das Ziel ist einfach: Kinder sollen Kinder sein dürfen – und dabei selbstbewusst, gesund und gemeinschaftsfähig groß werden.